Kulturvermittlung im Museum für Musikautomaten

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Bericht aus DBK aktuell 6/17

Kulturvermittlung im klingenden Museum

Seit Jahren engagiert sich das Amt für Kultur und Sport zusammen mit dem Kantonalen Kuratorium für Kulturförderung im Bereich der Kulturvermittlung. Kulturförderung und -pflege sind mit einer sinnvollen Kulturvermittlung besonders wirksam. Der Kanton Solothurn unterstützt deshalb einerseits Kulturvermittlungsangebote und –tätigkeiten von Institutionen, Organisationen, Vereinen und Kulturschaffenden mit Beiträgen. Andererseits fördert er kulturvermittelnde Aktivitäten durch spezifische Projekte. Insbesondere für Schulen wurde 2012 das Projekt «SOkultur und Schule» ins Leben gerufen. Um die Wichtigkeit der Kulturvermittlung zu unterstreichen, besuchte Remo Ankli, Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Bildung und Kultur (DBK), im Rahmen des Landammannjahres das Museum für Musikautomaten in Seewen. Mit dabei waren rund 50 Schulkinder der Schulen Dorneckberg sowie Medienleute und Vertreter des DBK. 

 

Jedes Kind kennt die kleinen, aufziehbaren Musikdosen, die eine Melodie ab einer kleinen Walze spielen. Die Dorneckberger Schulkinder staunten jedoch, als zu Beginn ihres Besuches die riesige Jahrmarktorgel im Foyer durch Museumsmitarbeitende in Gang gebracht wurde. Sie versuchten die zahlreichen leuchtenden Lämpchen zu zählen und sofort war ihr Interesse für diese aussergewöhnlichen Musikautomaten aus vergangenen Zeiten geweckt. Und genau darum geht es bei der Kulturvermittlung des Museums und insbesondere beim Projekt «SOkultur und Schule» des Kantons. Man wolle den Solothurner Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Kultur in all ihren Formen, von der Literatur über den Tanz, das Theater, die Musik, den Film bis hin zu Spezialitäten, wie jene des Museums für Musikautomaten, ermöglichen, betonte Eva Inversini, Vorsteherin des Amts für Kultur und Sport, in ihrer Begrüssung. Während die Kinder an diesem Morgen in zwei Workshops die Welt der Musikautomaten entdecken konnten, erfuhren die Gäste und Medienleute aus erster Hand, wie der Kanton Solothurn die Kulturvermittlung fördert.

Landammann Remo Ankli hielt in seiner Ansprache fest, dass Kunst und Kultur zu den grundlegenden Rechten eines jeden Kindes gehören, der Staat jedoch dafür einzustehen habe, dass dieses Recht jedem Kind gewährt werde. Dabei gehe es nicht nur um Wissensvermittlung über die Traditionen von Kunst und Kultur, sondern auch darum, dass Kinder vielmehr kreativ, durch die konkrete Erfahrung und das sinnliche Erleben Erkenntnisse gewinnen und Kompetenzen ausbilden sollen. «Wenn wir frühzeitig lernen, unsere schöpferischen Fähigkeiten auszubilden, hilft uns dies auch, die Anforderungen einer Welt zu meistern, die mit der Digitalisierung, Individualisierung, dem Pluralismus und der Globalisierung etwas unstet daherkommt und uns alle fordert. Kultur ist uns – gerade in Zeiten der Veränderung – Orientierung und Halt, aber auch Anregung zur genauen Beobachtung und kritischen Auseinandersetzung mit allen Themen», betonte Remo Ankli.

Christine Teuteberg, Verantwortliche für das Projekt «SOkultur und Schule», stellte den Gästen im Anschluss dieses besondere Vermittlungsangebot für Schulen vor. «SOkultur und Schule» hat zum Ziel, mit einem vielfältigen Angebot Schülerinnen und Schüler des Kantons Solothurn an das Solothurner Kunst- und Kulturschaffen heranzuführen und Lehrpersonen über Kulturvermittlungsprojekte zu informieren. Die Förderangebote berücksichtigen alle Sparten und sind für alle Schulstufen offen. Finanziell unterstützt werden Atelierbesuche, Workshops, Lesungen, Besuche von Theater- oder Tanzvorstellungen, Schulhausvorstellungen oder Projekte ganzer Schulhäuser. Das Angebot biete besonders Schulen, die nicht in einem der grösseren Zentren situiert sind, hervorragenden Zugang zu Kulturschaffenden sowie Institutionen, die in der Kulturvermittlung tätig seien, so Teuteberg. Sämtliche Informationen dazu sind seit 2012 auf einer Internetseite abrufbar. Darüber hinaus berät Christine Teuteberg Lehrpersonen bei Fragen zu kulturellen Angeboten, pflegt Kontakte zu Schulen, Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen und bearbeitet Gesuche von Schulen für finanzielle Beiträge an kulturelle Angebote.

Wie eine solche unterstützte Kulturvermittlung konkret aussehen kann, erfuhren die Besucherinnen und Besucher anschliessend, als sie die Schulkinder während den Workshops beobachtet konnten. Beim «Zauberklang- Rundgang» mussten die Kinder an verschiedenen Stationen Fragen beantworten. Die Lösungen konnten sie direkt auf einen Melodiestreifen knipsen. Zum Schluss spannten sie den Streifen in eine Spieldose, die anhand der Löcher eine Melodie abspielte – tönte es harmonisch, wurden die Fragen korrekt beantwortet. Im «Gloggomobil»-Workshop erhielten die Kinder eine grosse Holzwalze und Stifte. Die Stifte konnten beliebig platziert, respektive in die Walze gesteckt werden. Sobald die Walze mit Stiften besetzt in Bewegung gesetzt wurde, lösten die Stifte kleine «Schlägel» aus, die wiederum auf Klangplättchen anschlugen und dadurch Töne von sich gaben. So konnten die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Musikstücke komponieren und lernten dabei wie man früher Musik «haltbar» machte, beziehungsweise speicherte - ganz ohne digitale Medien oder Tonträger.

Nicht nur die Kinder waren sichtlich begeistert, von den einzigartigen Musikautomaten, die im Museum anzutreffen waren. Bei den Ausführungen und Erklärungen von Christoph Hänggi, Direktor des Museums, kamen auch die Gäste ins Staunen. Da spielten überdimensionale Orgeln klassische Stücke und das ab einem endlosen Stück Papier mit Löchern. Oder ein Klavier spielte Musik, die Tasten bewegten sich, aber niemand sass auf dem Stuhl und bediente es. Weitere Highlights waren sicherlich auch die Britannic-Orgel, die ursprünglich auf der Britannic, dem Schwesterschiff der Titanic, installiert war und dann nahezu über ein Jahrhundert als verschollen galt oder der letzte noch existierende Aufnahmeapparat der Firma Welte, der früher Musikstücke direkt in Papierrollen stanzte, heute jedoch nicht mehr funktionstüchtig ist.

Den fulminanten Schlusspunkt setzte Christan Schenker. Der Solothurner Liedermacher gab in einem exklusiven Konzert seine Hits zum Besten und begeisterte sowohl die Kleinen als auch die Grossen. Mit viel Witz und Charme forderte er alle zum Mitsingen und Mittanzen auf, wobei die Kinder im Gesangs- und Tanzwettbewerb deutlich im Vorteil gegenüber den Erwachsenen waren.

Fotos und Text: D. Müller, DBK DS