Dezember 2003

Die Jugendbibliothek Olten empfiehlt:

Ich sehe was...

Ich sehe was...

Wick, Walter/Marzollo Jean: Ich sehe was ... Gruselige Bilderrätsel. München: Lentz, 2002. 36 S., geb., Fr. 23.20.

Zweiseitige, wunderbar düstere und geheimnisvolle Fotografien erzeugen eine gruselige Stimmung.

Kurze Rätselreime fordern die Lesenden zum genauen Betrachten auf. "Ich sehe drei Korken, einen Ritter, eine Zange. Einen Reifen und ein Skelett - sei nur nicht bange! Siehst du das Lineal, den Magneten, die Uhr? Eine Maus, einen Wal - geh auf Entdeckungstour!"

Es ist gar nicht so einfach, auch alles zu finden, was der Autor in seinen kleinen Einführungen aufzählt. Alle gruseligen Bilderrätsel führen zu immer neuen Entdeckungen, ganz nach dem Motto: gezielt suchen, konzentriert schauen und garantiert finden! Oder einfach den Blick schweifen und die Fantasie spielen lassen. Ob zu Hause oder unterwegs, langweilig wird es mit Ich sehe was... bestimmt nie.

Ab 5

Roland Hochstrasser

H. Ch. Andersen erzählt Wintermärchen

Wintermärchen

Andersen, Hans Christian: H.Ch. Andersen erzählt Wintermärchen. Ill. von Anastassija Archipowa. Bearb. von Arnica Esterl. Esslingen: Esslinger, 2001. 79 S., geb., Fr. 31.-

Es war einmal ... ein Kind, das in einer inneren Welt voller Träume und phantastischen Bildern lebte. Nur ungern spielte es mit anderen Kindern, lieber ging es in die Spinnstube zu den alten, armen Frauen. Dort galt es als merkwürdig "kluges" Kind. Dort hörte es die ersten Märchen und dort lernte es, selber Märchen zu erzählen. Dieses Kind war Hans Christian Andersen.

Seine Märchen sprechen auch heute noch tiefe menschliche Gefühle und Sehnsüchte an und sie erreichen Kinder und Erwachsene gleicher-massen.

Der Dichter selbst schreibt dazu: " Die Kinder vergnügt am meisten, was ich die Staffage nennen würde, die Älteren interessieren sich hingegen für die tiefere Idee."

Die versierte Märchenforscherin Arnica Esterl hat für diesen sorgfältig und geschmackvoll gemachten Geschenkband "Die Schneekönigin", "Der Tannenbaum" sowie "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" ausgesucht und einfühlsam nacherzählt. Die Illustrationen der russischen Künstlerin Anastassija Archipowa sind nostalgisch anmutende, ausdrucksstarke Aquarelle. Man glaubt fast, die eisigen Schneeflocken auf der Haut zu spüren, den würzigen Duft von Tannennadeln zu riechen oder die brennenden Kerzen leuchten zu sehen.

Ab 6

Roland Hochstrasser

Millie in New York

Millie in New York

Chidolue, Dagmar: Millie in New York. Ill. Von Gitte Spee. Hamburg: Dressler, 2003. 222 S., geb., Fr. 19.40.

In den Osterferien soll es nach New York gehen. New York ist in Amerika. Man spricht dort Amerikanisch. Deswegen sagt man auch nicht: Neff Jork, sondern Nu Jork. Millie kennt sich aus, sie ist schon viel gereist. Sie war in Paris, Mallorca, Italien, London und zuletzt in Kreta.

Auch der neue Reiseführer mit der putzmunteren Millie überzeugt. Mit Humor und Situationskomik beschreibt die Autorin die unterhaltsamen Reiseerlebnisse der Familie. Neben den touristischen Attraktionen - natürlich Mänhättän, Museen, Parks und Besteigungen von Wolkenkratzern ¿ kommen auch die kleineren und grösseren Schwierigkeiten nicht zu kurz, die entstehen, wenn Eltern mit Kindern reisen. Millie sieht die Welt mit Kinderaugen. Das macht den Text glaubwürdig und vergnüglich.

Ab 7

Roland Hochstrasser

Der grausige Jahrmarkt

Der grausige Jahrmarkt

Snicket, Lemony: Der grausige Jahrmarkt. Die schaurige Geschichte von Violet, Sunny und Klaus Weinheim: Beltz & Gelberg, 2003. 241 S., geb., Fr. 17.60.

Niemand soll sagen, er oder sie sei nicht gewarnt worden. Eindringlich versucht der Autor im Klappentext mögliche Leser und Leserinnen von der Lektüre dieses neunten Bandes der Baudelaire-Waisen abzuhalten.

Das Wort "grausig" bedeute im Titel dieses Buches soviel wie "Fleisch fressend" und wenn man dieses blutrünstige Wort schon im Titel gelesen hätte, bestehe kein Grund dafür, dass man weiter lesen sollte. Dieser grausige Band enthalte nämlich eine derart deprimierende Geschichte, dass sich einem beim Lesen garantiert der Magen umdrehen würde. Darum sollten auch keine Einzelheiten dieser Geschichte erwähnt werden, insbesondere nicht das zweiköpfige Monster, auch nicht die ausgehungerte Löwenmeute und auf gar keinen Fall die aufgehetzte Menschenmenge.

Snicket ist ein begnadeter Erzähler. Er versteht es, verschiedene Spannungsbögen aufzubauen und sie über die ganze Erzählung aufrecht zu erhalten. Geschickt spielt er mit der Sprache, mit absurden Handlungsabläufen und mit witzigen Kommentaren. Zum Glück sind noch vier weitere Bände in Planung.

Ab 10

Roland Hochstrasser

Donner Wetter!

Donner Wetter!

Schultheis, Rainer: Donner Wetter! Sonne, Regen, Wind und Wolken ¿ wie das Klima entsteht. Hamburg: Rowohlt, 2003. 127 S., geb., Fr. 22.60.

Wenn es draussen richtig stürmt und regnet, kann man nur von drinnen die Nase gegen die Fensterscheibe drücken und auf die platschenden Tropfen in den Pfützen starren. Und dann kann man ganz schön ins Grübeln kommen. Darüber zum Beispiel, was das überhaupt ist: das Wetter. Und wie Regen, Sturm oder Schnee entstehen.

Auf diese und andere Fragen gibt dieses Buch leicht verständlich und gut illustriert Auskunft. Da staunt man nicht schlecht, wie einfach und plausibel komplizierte Wetterphänomene erklärt werden können. Zudem enthält das Buch Bastelbögen, mit deren Hilfe man eine (fast) vollautomatische Wetterstation herstellen kann. Da hat man dann selbst bei misslichstem Wetter alle Hände voll zu tun

Ab 11

Roland Hochstrasser

Sag mir, was du siehst

Sag mir, was du siehst

Drvenkar, Zoran: Sag mir, was du siehst. Hamburg: Carlsen, 2002. 269 S., geb., Fr. 24.40.

Zoran Drvenkar ist immer wieder für eine Überraschung gut. In seinem neuen Buch überzeugt der innovative Autor durch eine drastische, realistische Geschichte, die gleichzeitig märchenhaft und übersinnlich daherkommt.

Die 16-jährige Alissa sehnt sich noch immer nach ihrem toten Vater. Wie jedes Jahr in der Weihnachtsnacht schleicht sie sich darum zu seinem Grab. Ihre Freundin Evelyn begleitet sie. Im Schneegestöber auf dem Friedhof sinkt Alissa plötzlich ein und findet sich in einer Gruft wieder. Dort entdeckt sie an einer Kinderleiche eine geheimnisvolle Pflanze. Eine alptraumhafte Konfrontation mit dem Jenseits beginnt...

In dieser Geschichte geht es um verschiedenste Liebesbeziehungen, um familiäre Bindungen, um Verlust und Tod, Erwachsenwerden, Freundschaft und um Gewalt. Wo sind unsere persönlichen Grenzen und was passiert, wenn wir versuchen, diese zu überschreiten? Dem Autor gelingt es, eine bestechend dichte Atmosphäre aufzubauen, die einen lange nicht wieder los lässt. Vieles regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Ein starkes Buch

Ab 14

Roland Hochstrasser