Komplikationen

Das Masernvirus an sich ist nicht sehr gefährlich, doch die Masern-Infektion bewirkt eine vorübergehende Schwächung der körpereigenen Abwehr und macht den Erkrankten anfällig für diverse andere Krankheitserreger. Bei einer Maserninfektion ist das körpereigene Abwehrsystem mit den Masernviren beschäftigt, man ist in dieser Zeit besonders anfällig für bakterielle Infektionen. Bei ungefähr 1 von 6 Personen können Komplikationen auftreten. Masern werden häufig begleitet von einer Mittelohrentzündung („Masern-Otitis“) oder einer Lungenentzündung. Es ist auch möglich, dass eine ruhende Tuberkulose wieder aktiviert wird. Der sogenannte Masernkrupp kann auftreten, wenn die Schleimhäute des Kehlkopfs besonders stark von dem Virus befallen sind. Diese Komplikation kann, wenn der Kehlkopf durch die Entzündung zuschwillt, sehr gefährlich sein. Die betroffenen Personen haben Hustenanfälle und können nicht mehr richtig atmen. Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die Masern-Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns durch das Virus, die in 20% der Fälle tödlich verläuft und bei 30% der Fälle bleibende Schäden hinterlässt. Diese Komplikation tritt in ca. 1 von 1000 Fällen auf.
Viele Komplikationen machen eine Hospitalisation erforderlich. In vielen Fällen kommt es – insbesondere bei kleinen Kindern – zu einer Trinkverweigerung und als Folge zu einer Dehydrierung des Körpers. Die Prognose bei Masern ist im allgemeinen gut, schwierig wird es beim gleichzeitigen Auftreten von mehreren Komplikationen oder in Verbindung mit anderen Infektionskrankheiten (z.B. Scharlach, Keuchhusten oder Tuberkulose). Eine weitere seltene Komplikation (7-10 Fälle pro 100'000 Masernerkrankungen) ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine Gehirnentzündung, die durchschnittlich 6-8 Jahre nach der Masernerkrankung (< 2 Jahren) auftritt und immer tödlich endet. Verlauf der SSPE: psychische und intellektuelle Veränderungen, neurologische Ausfälle, Verlust zerebraler Funktionen, Tod. Die SSPE ist aber weitaus häufiger als bisher angenommen. Früher sprach man von 1-7 Fällen auf rund 1 Mio. Erkrankter, in einer Studie aus dem Jahr 2005 (W. J. Bellini et al. 2005: Subacute sclerosing panencephalitis: more cases of this fatal disease are prevented by measles immunization than was previously recognized. Journal of Infectious Diseases, 192: 1686-93) wurde aber nachgewiesen, dass die Inzidenz mit ca. 7-11 SSPE-Fällen pro 100'000 Masern-Infektionen wesentlich höher liegt. Diese Aussage wird auch durch Zahlen aus der Schweiz und anderen Ländern gestützt.

Man geht bei Masern von 1 Todesfall pro 10'000 – 20'000 Erkrankungen aus (Quelle: RKI 01/2006).
Die Komplikationsrate, inklusive tödliche Verläufe, ist bei Kindern unter 5 Jahren und Erwachsenen am häufigsten. Erwachsene haben häufiger eine Enzephalitis, Hepatitis, Hypokalzämie oder Pankreatitis.

Eine Maserninfektion während der Schwangerschaft erhöht das Risiko eines Spontanaborts und einer Tot-  oder Frühgeburt. Sie führt nicht zu Missbildungen, beinhaltet jedoch ein erhöhtes Komplikationsrisiko für die schwangere Frau. Ausserdem kann sich beim Kind kurz nach der Geburt eine – manchmal schwere – Masernerkrankung entwickeln.