Masern

Masern sind eine virale Infektionskrankheit, die in jedem Alter auftreten kann und manchmal schwerste Komplikationen verursacht. Die Übertragung erfolgt durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen beim Sprechen, Niesen und Husten oder seltener durch direkten Kontakt mit Nasen-Rachen-Sekret. Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Das Masernvirus führt bereits bei kurzer Exposition zu einer Infektion. Das Übertragungszeitfenster beginnt bereits 4 Tage vor Ausbreitung des Exanthems (roter Hautausschlag) bis 4 Tage danach, wobei die maximale Ansteckungsfähigkeit kurz vor dem Auftreten des Hautausschlages besteht. Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Sie sind besonders gefährlich für Schwangere, Kinder <12 Monaten und Personen mit einem geschwächten Immunsystem (beispielsweise Patienten unter einer Krebsbehandlung). Gegen Masern besteht keine spezifische Behandlung, es gibt aber eine wirksame Impfung.

Masern sind eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die innerhalb von 24 Stunden an den kantonsärztlichen Dienst und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeldet werden müssen (auch Masernverdachtsfälle).

Krankheitsbild

Das klinische Erscheinungsbild von Masern wird charakterisiert durch die Trias von Fieber, Exanthem und Husten/Rhinitis/Konjunktivitis. Die Krankheit verläuft zweiphasig. 1. Phase: 7-18 Tage nach der Infektion (Inkubation) treten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Schnupfen (Rhinitis) und Husten auf. 2. Phase: Es tritt der für Masern typische rote und fleckenartige Hautausschlag (makulopapulöses Exanthem) auf, begleitet von hohem Fieber, Appetitverlust und starkem Unwohlsein. Bei Erwachsenen und Kindern <5 Jahr kann die Krankheit oft schwerer und häufiger mit Komplikationen verlaufen.

Komplikationen

In 5-15 % der Masernerkrankungen kommt es zu Komplikationen. Bei 2-20 Personen pro 10‘000 Masernerkrankungen tritt eine Masernenzephalitis (Hirnentzündung) auf, bei 100 bis 600 eine Lungenentzündung und bei 700-900 eine Mittelohrenentzündung. Bei 100 bis 250 pro 10'000 Masernerkrankungen kommt es zu einer Hospitalisation, und es ist mit 3 bis 20 Todesfällen pro 10'000 Erkrankungen zu rechnen.

Diagnostik

Bei allen Patienten mit einem makulopapulösen Exanthem (roter Hautausschlag) und Fieber sollte Masern differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden. Gemäss BAG-Richtlinien gilt dabei grundsätzlich, dass jeder klinische Verdacht labordiagnostisch abgeklärt werden muss. Bei Verdacht auf Masern empfiehlt sich umgehend eine Konsultation bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bzw. auf der Notfallstation, welche dann über die weiteren Schritte entscheiden. Wichtig: Bitte melden Sie sich unbedingt vor einer Konsultation telefonisch an.

Prävention

Die beste Vorbeugung gegen Masern ist die Impfung. In der Schweiz wird eine Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) empfohlen. Die erste Impfung erfolgt neu mit 9 Monaten, die zweite mit 12 Monaten (Schweizerischer Impfplan 2019). Für einen vollständigen Schutz sind zwei Impfungen nötig. Die Impfung kann auch im Erwachsenenalter jederzeit nachgeholt werden.

Postexpositionsprophylaxe

Kinder ab 6 Monaten und Erwachsene mit ungenügendem Impfschutz können innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Kontakt mit einem Masernerkrankten nachgeimpft werden. Für Schwangere, Kleinkinder und Immunsupprimierte steht innerhalb von 6 Tagen nach Erstexposition eine passive Immunisierung (Immunglobuline) zur Verfügung.

Verhalten bei einem Masernverdachtsfall oder Masernfall

Masern, auch Masernverdachtsfälle sind eine meldepflichtige Krankheit und müssen innerhalb von 24 Stunden dem kantonsärztlichen Dienst gemeldet werden. Unser Vorgehen und die Massnahmen bei Masernverdachtsfällen oder Masernfällen sowie bei Kontaktabklärungen richten sich nach den BAG-Richtlinien: Jeder Masernverdachtsfall oder Masernfall soll während mindestens vier Tagen nach Beginn des Exanthems von Gemeinschaftseinrichtungen ausgeschlossen und zu Hause bleiben. Kontaktpersonen (potentielle Überträger), welche nicht immun sind, bleiben für 3 Wochen zuhause. Wer Kontakt mit einem Masernerkrankten hatte und keinen dokumentierten Impfschutz aufweist (dokumentiert gemäss Impfausweis oder Antikörperbestimmung), kann sich innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Kontakt impfen lassen.

Vermeidung einer Übertragung in Gesundheitseinrichtungen

Bei einem Verdacht auf Masern sollte die Arztpraxis oder die Notfallstation unbedingt telefonisch vorinformiert werden, damit geeignete Vorsichtsmassnahmen zum Schutz anderer Patienten, Begleitpersonen und Gesundheitsfachpersonen getroffen werden können. An Spitälern richten sich die Vorsichtsmassnahmen nach den institutionellen Spitalhygiene-Vorschriften des entsprechenden Spitales, in der Arztpraxis nach den Anweisungen der Ärztin / des Arztes.