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Römisches Landgut beim Spitalhof in Biberist - Die Villa von Biberist-Spitalhof veröffentlicht / Buchvernissage in der Aula des Bürgerspitals Solothurn

20.03.2007 - Solothurn – Die rund fünf Hektar grosse römische Villa von Biberist-Spitalhof ist eines der grössten Landgüter römischer Zeit im Kanton Solothurn. Sie wurde um die Mitte des 1. Jahrhunderts n.Chr. angelegt und nach zahlreichen Umbauten kurz nach 400 n.Chr. aufgegeben. Auf dem Trassee der A5 gelegen, wurde sie von der Kantonsarchäologie in den 1980er Jahren etwa zur Hälfte archäologisch untersucht. Die umfassende wissenschaftliche Auswertung erscheint nun in Buchform. Die Vernissage findet am 30. März um 17 Uhr in der Aula des Bürgerspitals Solothrun statt.

Die durch den Bau der Autobahn A5 südlich von Solothurn ausgelösten und finanzierten Grabungen und die vom Lotteriefonds des Kantons Solothurn ermöglichte Auswertung stellen eine der grössten je in der Schweiz durchgeführten archäologischen Unternehmungen dar. Sie betreffen zur Hauptsache den Wirtschaftsteil einer rund 5 Hektar grossen Villa rustica, der etwa zur Hälfte untersucht worden ist.

Ein um die Mitte des 1. Jahrhunderts n.Chr. angelegtes erstes Gehöft von rund einem Hektar Umfang wurde um 80 n.Chr. durch eine etwa fünf Hektar grosse Villa ersetzt. Hier wohnten nun vielleicht 70-80 Personen, der Besitzer mit seiner Familie, ein oder zwei Verwalter und deren Angehörige sowie 6-8 Landarbeiterfamilien. Spätestens ab 120/130 n.Chr. könnte der Besitzer ein staatlicher Steuereintreiber gewesen sein. Die grosse Villa bestand während rund sieben Generationen und wurde mehrmals umgebaut, bevor sie kurz nach der Mitte des 3. Jahrhunderts n.Chr. einer Brandschatzung zum Opfer fiel. Der folgende Wiederaufbau als kleines Gehöft für ein oder zwei Familien zeigt, dass der Betrieb nun beträchtlich an Wirtschaftskraft verloren hatte. Im früheren 4. Jahrhundert fiel auch diese Anlage einem Feuer zum Opfer. Anschliessend blieb der Platz verlassen, bis sich im 6. Jahrhundert einige Familien neben den römischen Ruinen niederliessen. Sie bauten einfache Holzhäuser und begruben ihre Verstorbenen in der Nähe. Vielleicht gehörten sie schon zu dem im 14. Jahrhundert hier aufgegebenen Dorf Gutzwil.

Die grosse Villa umfasste einst wohl eine rund 1800 Hektar grosse Betriebsfläche, die von der Aare im Norden bis zum Limpach und zur Emme im Süden und von Leuzigen im Westen bis zur Inneren und Äusseren Enge zwischen Zuchwil und Biberist im Osten reichte. Ein Gutshof mittlerer Grösse in Lohn-Sonnenbergstrasse dürfte ebenso dazu gehört haben wie ein kleiner Hof in Biberist-Oberwald. Hier waren ausser dem vielfältig nutzbaren Wald genügend Wiesen und Weiden für das nachgewiesene Vieh − Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine − vorhanden, desgleichen mehr als genug geeigneten Ackerlandes für den Anbau von Getreide − Gerste, Dinkel, Weizen, Emmer und Hirse − sowie Hülsenfrüchte − Linsen und Ackerbohnen. Weiter lässt sich die Kultivierung von Steinobst wahrscheinlich machen.

Das vorzustellende dreibändige Werk stellt mit über tausend Seiten eine der umfassendsten Veröffentlichungen über ein Landgut im römischen Reich dar. Dies liegt zum einen daran, dass die archäologischen Befunde teilweise ungewöhnlich gut erhalten waren, so dass sich für fast alle der oft mehrmals umgebauten Häuser die Funktion erschliessen lässt. Nachzuweisen sind ein Grabgarten der Besitzerfamilie, der Sitz des Gutshofverwalters, drei Landarbeiterhäuser sowie drei weitere Wohnhäuser, ein Wachhaus beim Tor, drei Vorratsspeicher, zwei Ställe, ein Waschhaus/Walkerei, zwei Schmieden sowie ein Gebäude für die Verarbeitung von Fleisch.

Zum anderen werden sämtliche aussagekräftigen Funde − Münzen, Keramik, Glas, Metall, Eisenschlacken, Baumaterialien, Beinartefakte, botanische Reste, Tierknochen, menschlicher Leichenbrand − vorgelegt. Dank systematischem Schlämmen vielversprechender Schichten haben diese Kleinfunde und Proben zum Teil einen substanziellen Zuwachs erfahren.

Fotos abrufbar unter: http://www.staatskanzlei.so.ch/bildarchiv