Integration Kanton Solothurn: Sprachkurse verstärkt fördern
09.01.2007 - Solothurn – Der Regierungsrat hat vom Tätigkeitsbericht 2006 der Fachkommission Integration zum Thema "Integration ausländischer Miteinwohner" Kenntnis genommen. Er will planmässig die alltagsorientierten Deutsch-Integrationskurse weiter fördern.
Der von Bundesrat Blocher in Auftrag gegebene Integrationsbericht des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes vom Juli 2006 kommt unter anderem zum Schluss, dass der Integrationserfolg eng mit den Kenntnissen der Sprache, den Kontakten im lokalen Umfeld, in Vereinen und Sportverbänden, in Betrieben oder im Gemeinschaftsleben des Quartiers und der Gemeinde verbunden ist. Kenntnisse der lokalen Sprache ermöglichen den Austausch mit der Schule und der Nachbarschaft und haben demzufolge Einfluss auf den Schulerfolg der Kinder.
Mehr Deutsch-Integrationskurse
Vor allem Frauen, und hier in der Rolle als Mütter, gelten als Schlüsselpersonen in der Integration. Der Kanton Solothurn hat die Stossrichtung des Integrationsberichtes des Bundes bereits vorweggenommen. Er hat insbesondere die Anstrengungen für die vermehrte Teilnahme von Migrantinnen an Deutschkursen seit 2005 deutlich intensiviert.
Seit August 2006 besuchen mehr Frauen unter dem Titel "Muki-Deutsch" Integrationskurse in Olten, Solothurn, Balsthal und Dulliken. Mit weiteren acht Einwohnergemeinden laufen Verhandlungen. Die schon seit längerer Zeit laufenden Kurse "Lernen in der Gemeinde" konnten zahlenmässig ausgebaut werden. Kleine Gemeinden haben die Möglichkeit der Kooperation mit grösseren Gemeinden.
Kürzung der Bundesbeiträge; Kanton erhöht die finanzielle Beteiligung
Bedauerlicherweise ist aber das Verhalten des Bundes widersprüchlich. Die Deutschkursanbieter im Kanton Solothurn mussten auf der Ebene Bund bereits für das Jahr 2006 Kürzungen im Betrag von 13'000 Franken hinnehmen. Im 2007 können die Deutschkursanbieter bei der EKA nur im Rahmen des Vorjahres Bundesgelder beantragen. Damit die stark gesteigerte Nachfrage erfüllt und das vom Kanton gesetzte Ziel "Mehr Frauen besuchen Deutschkurse" erreicht werden kann, wird der Kanton den Projektkredit von 270'000 auf 360'000 Franken erhöhen.
Breite Palette von Angeboten
Neben dem Schwerpunkthema "Deutsch" hat die im Amt für soziale Sicherheit angesiedelte Integrationsstelle verschiedene Angebote und Projekte auch in den Bereichen Begegnung und Beziehung initiiert.
Situations- und Bedarfsanalyse: Die vom Kanton beauftragte Fachhochschule Nordwestschweiz wird bis Ende März 2007 der Fachkommission Integration Handlungsempfehlungen zur Umsetzung weiterer Massnahmen der sozialen und kulturellen Integration von ausländischen Staatsangehörigen vorlegen. Die Empfehlungen werden in der Folge dem Regierungsrat unterbreitet.
Quartierentwicklung: Zusammen mit der Stadt Grenchen und dem Verein Granges-Mélanges konnte das Quartierentwicklungsprojekt "Läbigs-Lingeriz" initiiert werden. Weitere Projekte in andern Gemeinden sind in Planung.
Integrationsolympiade: In Olten, Grenchen und Solothurn wurden Integrationsolympiaden durchgeführt. Auch wenn die Zahl der Teilnehmenden nicht ganz dem gesteckten Ziel entsprach darf sich das Resultat mit insgesamt 20 beteiligten Organisationen und 200 Teilnehmenden sehen lassen.
Chor der Nationen: Seit September 2006 bereiten sich nahezu 60 Personen aus 15 Nationen (inkl. Schweiz) auf 3 Konzerte im Juni 2007 vor. Die Begegnung der Sänger und das gemeinsam zu erreichende Ziel stehen im Vordergrund. Der Chorprozess wird von einem parallel laufenden Filmprojekt (Kinodokumentarfilm) begleitet.
Interkultureller und interreligiöser Dialog: Im Zusammenhang mit der Minarettdiskussion erfolgte die Initiative zum Dialog. Ein Tag der offenen Mo-scheen ermöglichte das direkte Gespräch zwischen religiösen Muslimen und Einheimischen. Der renommierte Korrespondent von Schweizer Radio DRS, Werner van Gent rief im Stadttheater Olten vor 450 Zuhörern die Konfliktparteien auf, die Ängste und Frustrationen der jeweils anderen Seite ernst zu nehmen und in einen echten Dialog zu treten.
Kontakt zu Ausländerorganisationen: Mehr und mehr zeigt sich, dass der Aufbau einer mitverantwortlichen Beziehung zu den Ausländerorganisationen (vor allem der später Zugewanderten) intensiviert werden soll.
Kommunale Integrationsarbeit: Die Zusammenarbeit mit den Einwohnergemeinden wird weiter vertieft. Integration findet in der Gemeinde statt. Nebst der Förderung von mehr Deutschkursen geht es unter anderem darum, die Kommunikation zwischen den Gemeinden und den zugewanderten Personen zu verstärken. Dadurch soll mehr Verbindlichkeit erreicht werden.


