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Mai 2005



Die Kinder- und Jugendbibliothek der Zentralbibliothek Solothurn und die Jugendbibliothek Olten empfehlen:

Buchtitel Gehört das so??!

Gehört das so??!


Schössow, Peter : Gehört das so ??! Die Geschichte von Elvis. München: Hanser, 2005. Unpag., geb.,
Fr. 27.20, ISBN 3-446-20563-2.

Auf einmal ist es da. Das kleine Mädchen mit der grossen, roten Lackleder-Omahandtasche, die es hinter sich her zieht. Schlecht gelaunt stapft die Kleine durch die Gegend. Plötzlich schreit sie:"Gehört das so?!", und zieht weiter. Keiner im Park versteht genau was los ist!

Diese Szene wiederholt sich mehrmals wobei sich die Laune des Kindes kaum bessert. Erst als das Mädchen von einer Parkbesuchergruppe angesprochen wird, bricht der ganze Frust, die ganze Trauer aus ihr heraus. "Elvis ist tot!" schreit sie. Sie öffnet ihre knallrote Tasche und darin liegt ein kleiner, gelber, toter Vogel. Die Umstehenden bedauern sehr.

Gemeinsam wollen sie den kleinen Vogel nun erdbestatten, mit allem drum und dran, nicht mal das Trauermahl fehlt. Das Mädchen erzählt wie Elvis so war und alle weinen und trösten sich ein bisschen. Bei der Vorstellung, wie es wohl gewesen wäre, wenn der kleine Vogel den richtigen Elvis getroffen hätte, mussten alle lachen.

Eine Geschichte die Anleitung zur Trauerarbeit ist, die aufzeigt, wie wichtig Rituale, Zeremonien und Gespräche sind, wie nahe das Weinen dem Lachen ist und wie problemlos diese Gefühle nebeneinander Platz haben. Wir haben es in diesem Text auch mit Aufmerksamkeit, Neugier und mit selbstverständlicher Hilfe zu tun, die keines Dankes bedarf.

Schössows Bilder sind einmal mehr sehr aus-drucksstark. Mit wenigen Punkten und Strichen schafft er es, den Figuren die unterschiedlichsten Gefühle und Ausdrücke aufs Gesicht zu zaubern.

Ab 4 Jahren.

Sabine Egger

Buchtitel Gesichter

Gesichter


Robert, François und Robert : Gesichter. Hildesheim: Gerstenberg, 2005. 272 S., geb., Fr. 28.50.
ISBN 3-8067-5080-7

Über 130 Farb- oder Schwarzweissfotos, die irgendwelche Gesichter zeigen, sind Inhalt dieses Buches. Gesichter, die sich nicht nur vom Ausdruck her extrem unterscheiden, sondern auch vom Ausschnitt.

Hier geht es nämlich nicht um reelle menschliche Gesichter. François und Jean Robert haben richtig gehend Jagd auf alle möglichen Alltags- oder Naturgegenstände gemacht, deren Formen und Gestalten an ein Gesicht erinnern.

Entstanden ist ein Bildband mit einer Dichte an sehr gelungenen Fotografien, die zum Staunen, Schmunzeln, oder gar lautem Lachen einladen. Sie zeigen zB. eine Damensandale, die einem Karpfen mit offenem Mund ähnlich sieht, einen dreieckigen Aschenbecher, der die darin abgelegte Zigarette zu rauchen scheint, die Bauchansicht eines Käfers, die uns in eine monsterhafte Fratze blicken lässt, aber auch Schatten in Mauern, die das uns bekannte Punkt, Punkt, Komma, Strich¿Muster aufweisen.

Die Sammlung ist sehr gelungen und nicht nur zum Betrachten immer wieder spannend, nein, sie regt auch zum eigenen Suchen von Beispielen an, macht uns wieder aufmerksamer auf all die Schätze, die überall um uns versteckt sind. In der Konzentration auf ein einziges Thema liegt hier die Stärke. Ein sehr unterhaltsames Buch für Jung und Alt, für die Schule und für Zuhause.

Ab 4 Jahren.

Sabine Egger

Buchtitel Insekten

Insekten


Stichmann¿Marny, Ursula / Stichmann Wilfried / Oftring, Bärbel : Insekten. Stuttgart: kosmos, 2005. 79 S., geb., Fr. 10.70. (Natur ¿ Entdecker).
ISBN 3-440-10274-2

Dieser Naturführer gehört unbedingt in Kinder- und Schülerhand. Die Aufmachung ist klar, übersichtlich und einladend. Noch vor dem Inhaltsverzeichnis wird in der Spielanleitung erklärt, wozu man den kleinen Spiegel, der als Lesezeichen dient, auch noch gebrauchen kann.

Der Aufbau des Buches ist so gestaltet, dass es informative Texte zur Familie der Insekten gibt, die jeweils eine reich bebilderte Doppelseite füllen. Der allgemeine Teil wurde in die Themen Entwicklung, Fakten, Rekorde, Sehkraft und staatenbildende Insekten unterteilt. Dazwischen wurden Portraits von verschiedenen Tieren eingefügt, die knapp gehalten und trotzdem sehr informativ sind.

Hier kommt nun auch der erwähnte Spiegel zum Einsatz. Die richtige Antwort auf die gestellten Fragen, kann nämlich nur mit dem Spiegel entschlüsselt werden (Spiegelschrift). Ein überaus preiswertes Buch, das "gluschtig" macht auf mehr.

Ab 7 Jahren.

Sabine Egger

Buchtitel Jinx

Jinx


Wild, Margaret: Jinx. A.d.Engl. von Sophie Zeitz. München: Hanser, 2003. 207 S., geb., Fr. 26.20.

Ein wunderbares Buch über Liebe, Liebeskummer und die Sehnsucht nach Geborgenheit. Die Autorin versucht, das Lebensgefühl von 15- und 16-jährigen zu treffen und den Leserinnen (hoffentlich auch Lesern) Modelle für eine Identifikation anzubieten, ganz ohne Anbiederung. Das gelingt bestens.

Die Geschichte zeigt die Hauptfigur Jen auf der Suche nach Liebe, ebenso ihre Mutter und die geistig behinderte Schwester Grace. Auch ihre Nachbarn und ihre Freundinnen sind auf der Suche nach diesem verheissungsvollsten aller Gefühle. "Mein Herz singt. Immer wenn ich Pete treffe, sagt er jedes Mal ganz sanft: Hallo, du. Es klingt gar nicht besonders, aber es bringt mein Herz zum Singen." So beschreibt Jen ihre Liebe zu Pete, eine Liebe, die auf eine harte Probe gestellt wird.

Das ganze Buch ist so ausdrucksstark geschrieben wie die zitierte Stelle anklingen lässt. Der Text ist gewöhnungs-
bedürftig, aber überaus dicht, poetisch, reduziert auf das Wesentliche.

Sehr empfohlen für neugierige, junge Erwachsene ab 15 Jahren.

Buchtitel Die Piraten

Die Piraten


Crummenerl, Rainer: Piraten. Ill. von Udo Kruse-Schulz und Nikolaj Smirnov. Nürnberg: Tessloff, 2005. 48 S., geb., Fr. 16.50. (Was ist Was: Bd. 71).


Die Geschichte der Seeräuberei, soweit sie durch Quellen zuverlässig belegt ist, umfasst einen Zeitraum von mehr als 3000 Jahren. Piraten gab es überall, wo Schiffe die Meere befuhren. Die Geschichte beginnt mit den Raubzügen antiker Völker und dauert bis heute an.

Die aktuelle Piraterie ist eine moderne Form gefährlicher Kriminalität. Trotz all diesen Tatsachen sieht für viele von uns ein typischer Pirat immer noch so aus: Holzbein, Augenklappe und ein Papagei auf der Schulter. Die meisten Seeräuber hatten aber mit dieser romantischen Vorstellun-
gen nichts gemeinsam.

Der Neubearbeitung vom erfolgreichen Band der Reihe WAS IST WAS gelingt es ausgezeichnet, ein differenziertes, sachliches aber immer spannendes Bild von diesem Teil der Weltgeschichte zu zeichnen. Das neue Bildmaterial ist gut ausgewählt, anschaulich und unterstützt den interessanten und informativen Text bestens.

Allen empfohlen, die mehr als die gängigen Klischees über Piraten wissen möchten. Ab 10 Jahren.

Buchtitel Der wildeste Bruder der Welt

Der wildeste Bruder der Welt


Funke, Cornelia: Der wildeste Bruder der Welt. Ill. von Kerstin Meyer. Hamburg: Oetinger, 2004. Unpag., geb., Fr. 21.20.

Cornelia Funke ist eine der spannendsten deutschen Kinder-
buchautorinnen. Immer wieder gelingt es ihr - mit einem liebevoll-ironischen Blick - Alltagssituationen packend und lustig zu erzählen.

In diesem Buch geht es um Geschwister. Der kleine Ben ist die ganze Zeit am Kämpfen. Den lieben langen Tag be-
schützt er seine grosse Schwester Anna vor bösen Monstern, Mädchen raubenden Einbrechern, madigen Gespenstern und anderen schrecklichen Geschöpfen. Und manchmal kitzelt ihn Anna aus, wenn sie ihn erwischt, wie er heimlich in ihr Zimmer schleicht. Denn grosse Schwestern wissen nur zu genau, wo kleine Brüder kitzlig sind. Doch abends, "Wenn die Nacht ihr russschwarzes Gesicht ans Fenster drückt...", - ist Ben froh, eine grosse und starke Schwester zu haben!

Eine zärtliche Alltagsgeschichte für Gross und Klein ab 4 Jahren.

Fragen zu Lesen.so beantwortet Eva Mathez