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Juni 2004



Die Kinder- und Jugendbibliothek der Zentralbibliothek Solothurn empfiehlt:

Buchtitel Augenblick

Augenblick


Wiesmüller, Dieter: Augenblick. Hamburg: Carlsen, 2002. Unpag. geb. Fr. 31.90.

Wessen Auge ist das wohl, das uns da gross entgegenblickt: "Mit hoch aufgestellten Löffeln sitzt er am Waldrand und horcht auf die Geräusche vom Feld. Siehst du ihn? Er hat dich gesehen!" Natürlich, dieses Auge, das die ganze linke Buchseite ausfüllt, gehört dem Hasen, der aufmerksam die Szene auf der rechten Buchseite - Menschen bei der Feldarbeit - beobachtet.

Auf ganz besondere Art und immer aus der Sicht des Tieres zeigt Dieter Wiesmüller Begegnungen zwischen Tier und Mensch. Ganz genau hat er die verschiedenen Tieraugen studiert und wunderschön wieder-gegeben: Die getupfte Iris des Frosches, die ovale Pupille des Fuchses oder die langen Straussen-wimpern. Die Bilder sind in Natur-tönen gehalten, farbintensiv und erdig mit effektvoll eingesetztem Licht.

Erst am Schluss erfährt man, diesmal aus der Sicht eines Kindes, wie alle die Tiere heissen, deren Namen aufmerksame Kinder natürlich längst erraten haben.

Dieses aussergewöhnliche Buch ist mehr als ein Augen Blick wert, es ist ein Genuss, ein sinnliches Buch, das zum Verweilen einlädt.

Besonders geeignet zum gemein-samen Betrachten von Kindern ab 5 und Erwachsenen.

Christine Ryser

Buchtitel Sandor slash Ida

Sandor slash Ida


Kadefors, Sara: Sandor slash Ida. A.d.Schwedischen von Maike Dörries. Hamburg: Carlsen, 2004. 315 S., geb.

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die beiden Hauptakteure dieses eindrücklichen Jugendbuches: Sandor, ein Junge aus gutbürgerlichem Haus, in der Schule eher ein Aussenseiter, der in seiner Freizeit Ballett tanzt und ausserdem keine Erfahrung mit Mädchen hat. Und Ida, die wunderschön ist, überall im Mittelpunkt steht und schon so viele Erfahrungen mit Jungens hat, dass sie nichts mehr von ihnen wissen will.

Beide sind mit ihrem Leben unglücklich, fühlen sich einsam und sind auf der Suche nach Veränderungen, nach Nähe, nach sich selbst. Ihre Suche führt sie zueinander, anonym zuerst, im Chatroom, über E-Mails und am Telefon, später lernen sie sich persönlich kennen.

Fesselnd und flüssig erzählt die schwedische Autorin in ihrem ersten Jugendbuch die Entwicklung einer schwierigen Beziehung zwischen zwei jungen Menschen, die einem Umfeld, das sie eher hemmt als fördert, zu entkommen suchen. Viele Gefühle werden angesprochen: Die Angst vor Nähe und gleichzeitig vor dem Ausgeschlossen werden, wenn man nicht den gängigen Vorstellungen entspricht. Das Entdecken und Erleben der Liebe und der Sexualität und der eigenen Unsicherheit.

Sandor und Ida sind zwei Figuren, die jungen Leserinnen und Lesern ab 13 Jahren viel zu bieten haben, nicht zuletzt ein spannendes und eindrückliches Leseerlebnis.

Christine Ryser

Buchtitel Der Held aus der letzten Reihe

Der Held aus der letzten Reihe


Spinelli, Jerry. Der Held aus der letzten Reihe. A. d. Amerikan. von Andreas Steinhöfel. Hamburg: Dressler, 2004. 214 S., geb., Fr. 22.70.

Donald Zinkoff ist ein ganz gewöhnlicher Junge. Vielleicht etwas ungeschickter als der Durchschnitt, vielleicht etwas weniger klug als die meisten anderen Kinder in seiner Klasse. Trotzdem, wacker bringt er Schuljahr um Schuljahr hinter sich. Doch der soziale Druck in der Klasse wird grösser. "Besser", "schneller", "mehr" - das sind die Begriffe, die wichtig werden. Zinkoff kann da nicht mithalten. Die Häme der Mitschüler ihm gegenüber nimmt zu. Er wird als Versager und Blindgänger verachtet.

Was bei diesem Prozess verblüfft und zutiefst berührt, ist das unerschütterliche Selbstvertrauen, das sich Zinkoff bewahrt, dank seiner inneren Festigkeit bewahren kann. Er bleibt trotz seiner Ungeschicklichkeit hartnäckig, neugierig und begeisterungsfähig.

Das Porträt, das Spinelli von diesem ungewöhnlichen Jungen zeichnet, überzeugt durchwegs. Da ist kein falscher Ton. Wir erleben einen ganz untypischen Helden. Zinkoff ist zwar ein Verlierer, überragt aber seine Mitschüler an Menschlichkeit und Güte um Welten.

Ab 11 Jahren

Roland Hochstrasser

Buchtitel Julia wünscht sich ein Tier

Julia wünscht sich ein Tier


Lindgren, Barbro (Text) ; Eriksson, Eva (Ill.): Julia wünscht sich ein Tier. A.d.Schwedischen von Angelika Kutsch. Hamburg: Oetinger, 2003. Unpag. geb. Fr. 19.70.

Julia ist unterwegs, um nach einem Tier zu suchen. Ein Tier, das hüpfen und lecken und in ihrem Puppenwagen schlafen kann. Jeden Tag ist Julia auf der Suche, weil sie sich nämlich schon lange sehnlichst ein Tier wünscht. Am liebsten hätte sie ein kleines Pferd. Aber es könnte auch ein Igel sein oder ein Hund oder ein grosser Frosch. Würmer sammelt sie nicht und Fliegen sind zu klein.

Auch der kleine Nachbarjunge, der eigentlich eine Dampflok ist, passt nicht so recht in ihren Puppenwagen. Und der Hund, der da so allein vor dem Laden wartet, gehört schon jemandem. Ob sich Julias Wunsch nach einem Tier wohl doch noch erfüllt?

Die beiden Bilderbuchmacherinnen aus Schweden zeigen auf witzige und feinfühlige Art ein wohlbekanntes Stück Kinderalltag und sprechen damit sicher vielen Kindern aus dem Herzen.

Das Bilderbuch lässt sich sehr gut erzählen oder vorlesen. Ab der zweiten Klasse schafft man es schon ganz allein!

Christine Ryser

Buchtitel Des Kaisers Gruckelhund

Des Kaisers Gruckelhund


Cave, Kathryn. Des Kaisers Gruckelhund. Ill. von Philip Waechter. A. d. Engl. von Irmela Brender. Hamburg: Oetinger, 2004. 109 S., geb., Fr. 15.30.

Das Rezept für diese unterhaltende und turbulente Geschichte ist folgendes: etwas von Prinz und Bettelknabe, etwas von des Kaisers neue Kleider, zwei liebenswerte Hündchen - Promenadenmischungen natürlich - und eine Menge schöner Zufälle.

Wir lernen zwei kleine Strassenhunde kennen, die ganz alleine auf der Welt sind. Den einen, Schmuddel, findet Anna und es macht ihr gar nichts aus, dass er dreckig und voller Flöhe ist. Sein Bruder Sam hingegen wird dem Kaiser zum Geburtstag geschenkt. Und weil man einem Kaiser keinen gewöhnlichen Hund schenken kann, wird er zum letzten der Gruckelhunde ernannt. Doch eines Tages kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung...

Das Rezept geht auf. Die märchenhafte Geschichte bietet viel Witz, durchgehende Spannung und überraschende Situationskomik. Man fiebert mit. Man leidet mit. Und man freut sich schliesslich, dass alles so wunderschön aufgeht.

Ein vergnüglicher Lesespass. Sehr geeignet zum Vorlesen.

Ab 7 Jahren

Roland Hochstrasser

Buchtitel Das Weltall. Sterne und Planeten

Das Weltall. Sterne und Planeten

Denne, Ben / O'Brien, Eileen. Das Weltall. Sterne und Planeten. A. d. Engl. von Wolfgang Hensel. Ravensburg: Ravensburger, 2004. 47 S., geb.,
Fr. 14.50.

Wenn man in einer klaren Nacht in den Himmel blickt, kann man etwa 3000 Sterne erkennen. Ein winziger Bruchteil des Universums! Das gesamte Weltall ist unvorstellbar gross und voller faszinierender Erscheinungen.

Diesem Buch gelingt es mit Leichtigkeit, uns darüber staunen zu lassen. Mit eindrücklichen Bildern erklärt es, wie das Universum entstanden sein könnte. Klar und übersichtlich wird gezeigt, welche Planeten zu unserem Sonnensystem gehören, welche Himmelserscheinungen existieren oder wie das Weltall erforscht wird. Die Texte sind einfach und leicht verständlich. Besonders eindrückliche Phänomene werden in farbigen Kästchen hervorgehoben und stacheln die Neugier an. Ein übersichtliches Glossar und ein ausführliches Register ergänzen den Inhalt optimal. Ein rundum gelungenes Buch zum Thema Astronomie.

Für Kinder ab 9 Jahren und die ganze Familie.

Roland Hochstrasser

Fragen zu Lesen.so beantwortet Eva Mathez