Thal, Lilli: Mimus. Hildesheim: Gerstenberg, 2003. 445 S., geb., Fr. 25.80.
Ein richtiger Schmöker, mit allem was dazu gehört. Es gibt einen klassischen Helden, der klug, mutig, und liebenswert ist. Und es gibt einen unsympathischen Helden, der zuerst charakterlos und falsch scheint. Dazu kommen Verrat, Erniedrigung und Gewalt.
Die Geschichte dazu: der lang ersehnte Friedensschluss zwischen den verfeindeten Königreichen Monfiel und Vinland erweisst sich als Falle. Nur Florian, Kronprinz von Monfiel, entgeht dem Kerker. Aus einer Laune heraus gibt ihn der hinterhältige König von Vinland in die Lehre zu Mimus, dem Hofnarren. Florian verliert alles, die Stellung als Prinz, seine Freiheit, ja selbst seine Seele wird ihm abgesprochen. Der Hofnarr lehrt Florian sich anzupassen und sich zu unterwerfen. Doch auch die Stunde der Narren wird schlagen...
Die Idee, einen Hofnarren ins Zentrum der Handlung zu stellen, ist bestechend. Sie bietet ungewohnte und faszinierende Schilderungen vom Leben auf einer Burg im Mittelalter und sie zeigt auf, was es bedeuten mag, "schauspielern" zu müssen (Mimus = urspr. Schauspieler der Antike). Die Geschichte und Figuren überzeugen durchwegs. Der Spannungsbogen und das Lesevergnügen werden bis zum Schluss aufrechterhalten.
Ab 13
Roland Hochstrasser
|