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Künstleratelier Paris 2010

Cité internationale des Arts, Paris

Cité internationale des Arts, Paris

Lynn Gerlach und Sami Daher fahren nach Paris


Solothurn, 29.05.09 – Die Animationsfilmerin Lynn Gerlach (1981, Gerlafingen) und der Autor Sami Daher (1959, Solothurn) erhalten vom Kantonalen Kuratorium für Kulturförderung die Gelegenheit, sich 2010 jeweils für sechs Monate in der "Cité Internationale des Arts" in Paris mit ihrer Arbeit auseinander zu setzen. Das Kuratorium vermittelt nicht nur die rund 40 m2 grosse Atelierwohnung inmitten der Kunstszene, sondern wird mit monatlichen finanziellen Zuwendungen von je 3'000 Franken einen Grossteil der Lebenshaltungskosten übernehmen. Die Finanzierung erfolgt über einen Beitrag aus dem Kantonalen Lotteriefonds. Seit 2001 bietet die kantonale Kulturförderung die Möglichkeit, Kunstschaffende mit einem Auslandsemester in Paris zu fördern.    


Lynn Gerlach

Lynn Gerlach wurde am 27. Februar 1981 in Herisau (AR) geboren und wuchs ab 1986 in Gerlafingen auf. Nach der Schulzeit und einem Zwischenjahr mit Auslandaufenthalt absolvierte sie an der Hochschule für Gestaltung in Luzern 2003/04 den Vorkurs und in der Folge das Animationsdepartement der Hochschule (2004 bis 2008), wo sie mit dem Bachelor of Arts abschloss.

Seit 2005 hat die 28-Jährige fünf Kurzfilme realisiert, davon wurden "Mahlzeit" (2006) und "Arme Seelen" (2008) an zahlreichen Filmfestivals gezeigt. In Paris möchte die Animationsfilmerin neue Ideen für einen weiteren Animationsfilm finden und diesen planen. Dabei möchte sie die Stadt Paris nutzen, um sich von Geschichten und skurrilen Begebenheiten, Sichtungen und Sagen, Legenden und Gerüchten inspirieren zu lassen. Sie will einer Legende nachgehen, wonach Napoleons Geschlechtsteile nach dessen Tod abgeschnitten, eingelegt und versteigert worden seien. Die Geschichte hatte Lynn Gerlach während eines anderen Auslandaufenthaltes in Schottland aufgeschnappt. Nach ihrem Aufenthalt in der Cité will sie in einer Ausstellung oder Präsentation die Vorarbeiten zum Film der Öffentlichkeit zugänglich machen.


Sami Daher

Der am 21. Februar 1959 in Nazareth geborene Sami Daher kam 1980 in die Schweiz und lebt seit 2003 im Kanton Solothurn. Der ausgebildete Psychiatriepfleger hat nach Positionen in verschiedenen Pflegeinstitutionen im August 1997 das Tee- und Imbisshaus Pittaria in Solothurn eröffnet.

Seit etlichen Jahren engagiert sich Daher literarisch in der Palästinafrage. Ausschlaggebend war dafür die Verhaftung seines Bruders durch den israelischen Geheimdienst 1970 und die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern. Früh drückte Daher seine Eindrücke literarisch aus, ab 2007 auch in Deutsch. Mit zwei Erzählungen wandte sich Daher als Abdelhadi in einer unmittelbaren Art direkt an die Bevölkerung. In beiden Erzählungen setzt sich der Palästinenser mit der Geschichte Palästinas, mit dem jüdischen Staat und der Rolle Europas auseinander. In Paris möchte Sami Daher die beiden Geschichten zu einem Roman verarbeiten. Ausserdem erhofft sich der 50-Jährige, Zugang zu neuen Quellen der palästinensischen Geschichte zu erhalten und als Gast des Pariser "Institut du Monde Arabe" in Kontakt mit palästinensischen Kulturschaffenden zu treten.


Die zahlreichen positiven Reaktionen auf die bisherigen Ateliervermittlungen bewogen das Kuratorium, das Angebot auch im Jahre 2010 aufrecht zu erhalten. Die Zusprechung der Atelierwohnung erfolgt aufgrund der durch die Bewerbungsunterlagen dokumentierten Qualität der Arbeiten. Die Kontinuität und die Entwicklungsmöglichkeit sowie Innovation und Professionalität des Schaffens sind weitere wichtige Kriterien. Die seit 2001 gesammelten Erfahrungen mit den Auslandaufenthalten der Kunstschaffenden sind ausnahmslos positiv, und der Kanton Solothurn wird gestützt darauf die Zusammenarbeit mit dem Kuratorium des Kantons Aargau weiterführen.

Bis Ende dieses Jahres konnten bislang 17 Kunstschaffende aus dem Kanton Solothurn in der Cité Internationale des Arts an der Rue de l’Hôtel de Ville arbeiten und dabei auch Kontakte zu andern Kunstschaffenden pflegen.