Drogen und Alkohol



Drogen und Alkohol aus der Sicht der Jugendanwaltschaft

Drogen, insbesondere Cannabis und Alkohol sind Themen, mit denen sich auch die Jugendanwaltschaft immer wieder befassen muss. Es ist oftmals Teil des Erwachsenwerdens, erste Erfahrungen mit Alkohol und Drogen zu machen. Jugendliche wollen Grenzen ausloten und neue Erfahrungen machen. Werbekampagnen für Alkohol und Nikotin versuchen, junge Menschen auf den Geschmack der von ihnen beworbenen Produkte zu bringen. Eine wichtige Rolle spielen die Gruppen, in denen sich die Jugendlichen bewegen und zu denen sie gehören wollen. Gruppendruck ist ein Phänomen, welches auf Kinder und Jugendliche einen sehr starken Einfluss hat. Sie wollen gefallen; jüngere Kinder zunächst den Eltern, Ältere primär ihrem Kollegenkreis. In vielen Familien ist der gelegentliche Alkoholkonsum oder auch das gelegentliche Mitrauchen eines Joints ein Thema, das Eltern stark verunsichert. Eine grosse Unsicherheit besteht wegen den unterschiedlichsten Botschaften und Informationen aus Medien, Politik und von Fachpersonen. Wem soll man glauben? Ist denn das Kiffen tatsächlich so gefährlich oder so harmlos, wie uns gesagt wird? Unsicherheit besteht auch über die geltende Rechtslage. Was ist denn nun eigentlich verboten, was ist erlaubt? Nicht nur Eltern und Lehrpersonen fühlen sich unsicher und hilflos.

Auf dieser Website können wir Ihnen diese Fragen nicht endgültig beantworten. Auch wir nehmen unterschiedliche Informationen zur Kenntnis und versuchen, diese mit den Erfahrungen aus unserer Arbeit in Einklang zu bringen. Deshalb empfehlen wir Ihnen die weiterführenden Links. Auf www.sfa-ispa.ch finden Sie Informationen von Fachleuten zu allen legalen und illegalen Drogen. Dort können Sie auch Broschüren und Bücher zum Thema herunterladen und bestellen.


Cannabis (Haschisch, Marihuana, "Gras")

Immer mehr Jugendliche konsumieren Haschisch und Marihuana, um sich "zuzudröhnen". Sie wollen sich "verladen", sich betäuben, unserer Welt ein Stück weit entfliehen und ihre Probleme vergessen oder verdrängen. Dies sind die Jugendlichen, die auf dem Perron am frühen Morgen auf dem Weg zur Lehrstelle oder in die Schule noch schnell ihren Joint reinziehen müssen, damit sie die Mühen des Tages besser überstehen. Wir haben es mit Jugendlichen zu tun, die mehrmals wöchentlich oder gar täglich Cannabis rauchen. Dies hat mit Genuss nichts mehr zu tun und muss zumindest als Risikokonsum oder gar als ein Suchtproblem eingestuft werden. Häufig ist der übermässige Substanzkonsum auch noch mit erheblichen familiären, schulischen oder andere Konflikten verbunden. Solche Jugendliche sind dringend auf externe Hilfe angewiesen.

Die Jugendanwaltschaft hat selten mit Jugendlichen zu tun, die nur an einem Samstagabend im privaten Rahmen an einem Joint mitrauchen. Dies ist auch gut so: Wir wollen keinen Überwachungsstaat, sondern lediglich frühzeitig an jene Jugendliche herankommen, die stark gefährdet sind. Bei übermässigem und risikohaftem Konsum können wir unterstützende Schritte einleiten, den Kindern und Jugendlichen die Gefahren von Betäubungsmitteln vor Augen führen und sie insbesondere auf mögliche Folgeschäden hinwiesen.

Im Kanton Solothurn - wie auch in allen anderen Kantonen der Schweiz - ist der Konsum von Cannabis auch bei minderjährigen Jugendlichen stark verbreitet. Besorgniserregend ist die Tendenz zu immer jüngeren Cannabiskonsumenten. Vielfach sind es gerade Minderjährige, die bereits im familiären oder schulischen Umfeld erhebliche Probleme haben und nicht mehr klar kommen. Sie greifen vielfach unbewusst und im Sinne einer Selbstmedikation zu Alkohol und Cannabis und schaffen sich auf diese Weise neue zusätzliche Probleme. Dabei gehen sie nicht selten in ähnlicher Weise ans Werk wie wir Erwachsenen. Schliesslich ist auch in der Erwachsenenwelt der Griff zum Alkohol oder der Griff zu dämpfenden Medikamenten eine weit verbreitete Lösungsstrategie, die nicht selten in einem Suchtverhalten endet.

Drogenkonsum - insbesondere bei Jugendlichen - darf nicht gefördert werden. Der zunehmende - vielfach ungestörte - Konsum in der Öffentlichkeit (insbesonders im öffentlichen Verkehr) bringt neben einer massiven Beeinträchtigung der Freiheit anderer die Gefahr mit sich, dass diese das Kiffen als völlig normal und ungefährlich ansehen. Auch im Schulbereich machen  Lehrpersonen die Erfahrung, dass viele SchülerInnen und Lehrlinge bekifft zum Unterricht erscheinen, und dabei Mühe bekunden, sich den Anforderungen des Alltags zu stellen und den Ausbildungsstoff zu bewältigen; sie beeinträchtigen gleichzeitig auch andere MitschülerInnen erheblich. Die Freiheit zu kiffen muss dort ihre Grenze haben, wo die Freiheit der Anderen beginnt.
Wir sind der Meinung, dass für Jugendliche, welche zum erstenmal wegen Cannabiskonsums bei uns verzeigt werden, der Besuch eines Suchtpräventionskurses mehr bringt als eine Bestrafung. Anstelle eines Strafverfahrens können solche Jugendliche und ihre Eltern sich bei der Jugendanwaltschaft für den Besuch eines Suchtpräventionskurses anmelden.


Alkohol

Grosse Sorgen bereitet uns der zunehmende exzessive Alkoholkonsum bei Jugendlichen, der ein sehr ernst zunehmendes Problem darstellt. Da der Alkoholkonsum (im Gegensatz zum Cannabiskonsum) von Jugendlichen bekanntlich nicht strafbar ist, kommen wir weniger häufig mit diesem Problembereich in Kontakt.

Dennoch haben wir es auch immer wieder mit Strafanzeigen zu tun, bei denen Alkohol eine zentrale Rolle spielt, sei es bei Schlägereien oder mutwilligen Zerstörungen. Alkohol kann in grösseren Mengen konsumiert bei vielen Menschen eine enthemmende und aggressionssteigernde Wirkung haben. Im Strassenverkehr stellt Alkohol eine häufige Unfallursache dar. Unabhängig von der Strafbarkeit des Konsums gehen wir in Fällen, bei denen Alkohol eine Rolle spielt, ähnlich vor wie bei Delikten im Zusammenhang mit Cannabis. Auch in diesen Fällen versuchen wir im Kontakt mit den Eltern abzuklären, ob es für den betroffenen Jugendlichen hilfreich ist, wenn er allenfalls neben einer Strafe eine unterstützende Massnahme erhalten würde, welche versucht, die Ursachen seines Fehlverhaltens anzugehen.

Auch beim Alkohol scheint uns das Mass des Konsums von zentraler Bedeutung: Geht es um Genuss oder um Betäubung? Legale wie illegale Stoffe können beides bewirken. Nicht nur Minderjährige überschätzen vielfach ihre Fähigkeit, mit solchen Stoffen umzugehen, und können so ohne es zu wollen in gefährliche Abhängigkeiten geraten. Hier brauchen sie unseren Beistand und unsere Hilfe.