Fragen

Wieso gibt es Erdbeben in der Schweiz?

Die Erdkruste besteht aus sogenannten tektonischen Platten, die sich rund um den Globus gegeneinander relativ verschieben. Zu Erdbeben kommt es, wenn nach einem langsamen Druckspannungsaufbau entlang von Plattengrenzen und Störungen die Gesteinsfestigkeit in der Tiefe überschritten wird. Diese abrupte Energiefreisetzung wird als Erdbeben bezeichnet. In der Schweiz werden in der Tiefe Spannungen durch die Kompression der afrikanischen Platte gegen die eurasische Platte aufgebaut. Diese Spannungen können sich an bestehenden Störungen (Bruchstellen) in den Alpen und Voralpen, im Jura oder im Rheingraben bei Basel durch eine rasche Energiefreisetzung als Erdbeben entladen.

Wo finde ich Informationen über aktuelle Erdbeben?

Alle Erdbeben werden vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED) registriert und ausgewertet. Die Listen und Karten sind unter folgendem Link abrufbar: Schweizerischer Erdbebendienst: www.seismo.ethz.ch

Wie wird die Stärke eines Erdbebens angegeben?

Für jedes Erdbeben kann eine Magnitude berechnet werden; sie ist ein Mass für die im Erdbebenherd freigesetzte Energie. Als Masseinheit dient die sogenannte Richterskala. Die Auswirkungen eines Erdbebens an der Erdoberfläche werden hingegen mit einer zwölfteiligen Intensitätsskala beschrieben (EMS-98-Skala). Generell gilt: Je grösser die Magnitude, desto grösser die Intensität und die Auswirkungen an der Erdoberfläche an einem bestimmten Ort. International werden Erdbeben bis Magnitude 3.5 als schwach, ab 3.5 bis 6.0 als mittelstark und ab 6 als stark eingestuft.
Weitere Informationen zu Magnituden und Intensität finden Sie beim Schweizerischen Pool für Erdbebendeckung.

Ab welcher Magnitude wird ein Erdbeben verspürt?

Im Allgemeinen werden Erdbeben ab Magnitude 3 verspürt; wenn man sich in der Nähe des Epizentrums befindet auch schon ab 2.5. Erdbeben mit Magnituden zwischen 4 und 5 können in einem Umkreis von bis zu 200 km verspürt werden, ab M>5 können es bis tausend Kilometer sein.

Gibt es in der Schweiz auch starke Erdbeben?

Die Erfahrung zeigt, dass sich in der Schweiz pro Jahr einige Erdbeben mit Magnituden 3 bis 4 ereignen; etwa alle 10 Jahre rechnet man mit einem Erdbeben mit M>5 (das letzte M=5 Erdbeben in der Schweiz war dasjenige vom 20.11.1991 bei Vaz, Kanton Graubünden). Das Beben von Basel im Jahr 1356 hatte eine geschätzte Magnitude von etwa 6.5.

Können Erdbeben vorhergesagt werden?

Erdbeben können nicht vorhergesagt werden. Allerdings können örtlich Zonen ausgeschieden werden, in welchen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Erdbeben höher ist.

Wie kann ich mich vor Erdbeben schützen?

Erdbeben als solche sind kaum gefährlich, erst einstürzende Bauwerke, der Bruch von Gasleitungen oder induzierte Effekte wie Steinschlag oder Rutschungen können die Menschen erheblich gefährden. Der wirksamste Schutz ist die Einhaltung der Baunormen (speziell SIA 261) bei allen Neubauten, Sanierungen und Umbauten.

Wie verhalte ich mich bei einem Erdbeben?

Hier nur ein paar grundlegende Verhaltensregeln:

  • Bleiben Sie drinnen, wenn Sie in einem Gebäude sind! Stellen Sie sich in einen Türrahmen oder kriechen Sie unter ein massives Möbel (z.B. Tisch oder Bett)! Gehen Sie weg von Fenstern!
  • Wenn Sie im Freien sind, gehen Sie weg von Gebäuden und Stromleitungen!
  • Sitzen Sie im Auto, stoppen Sie vorsichtig! Achten Sie darauf, dass Sie nicht unter oder auf einer Brücke, unter einem Baum etc. anhalten. Bleiben Sie im Auto bis das Erdbeben vorbei ist.
  • Halten Sie sich im Gebirge auf, beobachten Sie Ihre Umgebung. Im Gebirge können Sie von Steinschlag, Rutschungen oder umfallenden Bäumen erfasst werden.
  • Sind Sie von grösseren Schäden an Infrastrukturen oder gar Personenschäden betroffen oder haben solche beobachtet, wenden Sie sich an die Alarmzentrale der Polizei Kanton Solothurn (032 627 71 11).

Was muss ich bei einem Neubau, Umbau oder einer Sanierung hinsichtlich der Erdbebensicherheit beachten?

Neue Bauwerke müssen gemäss Norm SIA 261 "Anforderung auf Tragwerke" erdbebensicher geplant und gebaut werden. Bestehende Bauwerke sollten bezüglich ihrer Erdbebensicherheit gemäss SIA Merkblatt Nr. 2018 "Überprüfen bestehender Gebäude bezüglich Erdbeben" überprüft und wenn nötig ertüchtigt werden; am besten bei einer allgemeinen Sanierung oder einem Umbau. Der Kanton schreibt in §54 der kantonalen Bauverordnung vor, dass alle tragwerksrelevanten SIA-Normen angewandt werden müssen.

Faltblatt "Erdbebensicheres Bauen in der Schweiz"

Ist mein Haus erdbebensicher?

Erst seit 1989 gibt es in der Schweiz Normen für erdbebensicheres Bauen. Bei früher errichteten Gebäuden ist die Erdbebensicherheit nicht unbedingt gewährleistet. Aber auch bei Gebäuden, welche nach 1989 errichtet worden sind, kann nicht von vornherein eine Erdbebensicherheit angenommen werden, da vor allem bei privaten Bauwerken die Anwendung der Normen nicht selbstverständlich erfolgt.

Wer kann die Erdbebensicherheit meines Hauses beurteilen?

Erdbebeningenieure und Baustatiker können anhand einer Expertise Ihr Haus beurteilen.

Kann ich mein Haus gegen Erdbeben versichern?

Eine Versicherung für die Entschädigung von Erdbebenschäden wird heute grossflächig nicht angeboten. Einige Privatversicherer bieten zwar entsprechende Produkte an.

Die Kantonalen Gebäudeversicherungen führen einen freiwilligen Erdbebenpool mit einer maximalen Deckungslimite von 2 Milliarden Franken, aus welchem allerdings erst Beiträge an Schäden entrichtet werden können, wenn das Erdbeben mindestens die Stärke VII EMS-98 erreicht (Europäische Makroseismische Skala 1998). Der Selbstbehalt beträgt 10 % der Versicherungssumme oder mindestens 50'000.00 Franken.

Möglicherweise wird in der Schweiz bereits in einigen Jahren eine obligatorische Erdbebenversicherung mit einer Deckungslimite von 10 Milliarden Franken eingeführt. Unter dem Vorsitz des Bundesamtes für Privatversicherungen (BPV) wird ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet. Die Prämie die entrichtet werden müsste, beträgt nach heutigen Berechnungen rund 10 Rappen pro 1'000 Franken Versicherungskapital, was bezogen auf ein Einfamilienhaus (Wert 500'000.00 Franken) einer Jahresprämie von 50.00 Franken entspricht.

Was kostet erdbebensicheres Bauen?

Erdbebensicheres Bauen bei Neubauten ist nur mit unwesentlichen Mehrkosten verbunden, welche maximal 1% der Baukosten ausmachen. Nachträgliche Ertüchtigungen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit können hingegen wesentlich teurer ausfallen.