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SZ 07-07-03

Grundwasser - Solothurner Untergrund gibt auch trotz Regenmangel noch genügend Wasser her. Die seit Januar anhaltende Trockenheit hat die Grundwasserspiegel im Kanton Solothurn sinken lassen. «Das Wasser geht uns aber nicht so schnell aus», sagt Willi Danz vom kantonalen Amt für Umwelt.

Kevin Cahannes
  Unser Ziel: genügend Trinkwasser!» So steht es auf dem Zettelchen, das auf Willi Danz¿ Pult liegt. Danz ist Fachmann für Hydrometrie beim Amt für Umwelt. Er überwacht die Grundwassermenge im Kanton: «Die andauernde Trockenheit der letzten Monate hat die Grundwasserspiegel zum Sinken gebracht», sagt er.
  Das Grundwasser fliesst wenige Meter am Tag in unterschiedlicher Tiefe in Schotterschichten durch den Untergrund. Im Kanton Solothurn gibt es zwei grosse Lockergesteins-Grundwasserleiter. Einen im Wasseramt und einen, der sich in den Talsohlen vom Dünnerngäu bis ins Niederamt erstreckt.
Der Pegel im Wasseramt liegt zurzeit rund einen Meter unter dem langjährigen Mittel. «Bis zum grössten Tiefststand der letzten vierzig Jahre, der bei der grossen Trockenheit von 1976 erreicht wurde, sind es bloss 30 Zentimeter», erzählt Danz. Der Strom ist nur der Unterlauf eines grösseren Systems, die Fortsetzung des Emmentaler-Grundwasserstroms. Dieser wird zwischen Oberburg und Utzenstorf sowie Bätterkinden und Wiler hauptsächlich aus dem Sickerwasser der Emme gebildet. Darum wirkt sich die Trockenheit relativ schnell auf den Grundwasserspiegel aus. Führt die Emme nur wenig Wasser, versickert auch weniger. Dazu kommt ein weiterer Punkt: Bei Trockenheit steigt der Wasserverbrauch an. Da der Wasserämter Strom bereits im Kanton Bern als Trinkwasserquelle angezapft wird, ist die Menge für die Solothurner entsprechend kleiner.

Fast historischen Tiefstand erreicht
  Weniger dramatisch sieht die Lage im Dünnerngäu aus. Der aktuelle Wasserspiegel liegt nur wenig unter dem langjährigen Mittel, allerdings mit fallender Tendenz. «Auch wenn es jetzt stark regnete, stiege er nicht sofort an», sagt Danz. Denn das Gäu reagiert nur langsam auf Niederschläge und Trockenperioden. Die Grundwasserader, die in der Klus-Balsthal beginnt, wird vor allem vom Regenwasser des Juras gespiesen. Es sickert gemächlich durch den Gebirgskarst zu Tal. Auf seinem Weg wird es immer wieder durch natürliche Becken im Höhlensystem aufgehalten. Darum gelangt auch während trockenen Perioden noch immer frisches Wasser in den riesigen «Grundwassersee» rund dreissig Meter unter der Gemeinde Oensingen.
Weiter flussabwärts, im Niederamt, sieht die Lage wieder anders aus. Der Wasserspiegel liegt dort rund 60 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel, bis zum Tiefststand von 1976 fehlt nur noch ein halber Meter. «Das Grundwasser im Niederamt ist stark vom Abfluss in der Alten Aare abhängig», erklärt Willi Danz. Führt die Aare wenig Wasser, ist die Restwassermenge in die Alte Aare sehr klein. Das Grundwasser bildet sich dann nur langsam.

Weniger als 20 Prozent genutzt
  Das kantonale Amt für Umwelt misst mit automatischen Pegelschreibern laufend den Wasserspiegel in den unterirdischen Strömen. «Eine Grundwassermenge in Litern lässt sich aber nicht nennen», sagt Danz. Denn: die genaue Breite und Mächtigkeit der Grundwasserleiter ist nicht überall bekannt. Aus dem Vergleich der Wasserspiegel verschiedener Jahre können die Experten im Umweltamt indes berechnen, wie viel Wasser grundsätzlich vorhanden ist. Auf Grund dieser Daten entscheidet der Kanton, wie viel die einzelnen Pumpwerke fördern dürfen. Grundwasserbewirtschaftung nennt man das. Die Pumpwerke - mehrheitlich im Besitz lokaler Zweckverbände - erhalten eine Konzession für die ihnen zugewiesene Menge. Effektiv hochgepumpt werden weniger als 20 Prozent dieses Volumens.

Zehnmal weniger Regen als normal
  Bis jetzt hat die Trockenheit das Grundwassersystem aber auf eine harte Probe gestellt. Im ersten Halbjahr 2003 fiel im Kanton Solothurn nur halb so viel Regen, wie in einem durchschnittlichen Jahr. Für den Juni sind die Zahlen noch dramatischer: Am Jurasüdfuss stehen in diesem Jahr nur rund 10mm Niederschlag dem Durchschnittswert von 107mm gegenüber (Mittelwert Juni 1961-1990).
  Trotz der sinkenden Pegel ist sich Willi Danz sicher, dass genügend Grundwasser gefördert werden kann: «Die Pumpwerke sind heute so gut ausgebaut, dass sie selbst bei einem niedrigen Pegel noch an das Wasser herankommen.» Die Pumpen liegen tiefer im Grundwasserstrom, als noch vor ein paar Jahren. 1976 hatten zahlreiche kleine und alte Werke Probleme. Sie sind heute geschlossen oder angepasst. Ausserdem sind heute viele Gemeinden untereinander in Wasserverbünden vernetzt. So sitzen sie auch dann nicht auf dem Trockenen, wenn die eigene Wasserfassung doch einmal streikt. Willi Danz beruhigt denn auch: «Die Lage ist nicht dramatisch, selbst wenn die Wasserstände noch weiter sinken.»

Schneller auf dem Trockenen

<h2>Quellen Sie versiegen eher als das Grundwasser</h2>

Anders als das Grundwasser, reagieren Quellen extrem auf Trockenheit. Jene, die in Berghängen liegen, versiegen besonders schnell. Sie werden meist aus Regenwasser gespiesen, das ohne grosse Umwege durch den Gehängeschutt in die Quellfassung rinnt. Wenn längere Zeit kein Regen fällt, ist der Wasservorrat bald aufgebraucht und die Quelle trocknet aus.
  Es gibt aber auch andere. Zum Beispiel die Hammerrainquelle in Herbetswil. Der Unterschied: Dort sammelt sich das Wasser im Jurakarst, nicht bloss im Gehängeschutt. In den mächtigen und verästelten Höhlensystemen wird es zwischengespeichert. Solch gute Quellen sind aber eher die Ausnahme im Kanton Solothurn, sagt Willi Danz vom Amt für Umwelt. (ck)